Einer der meist beachteten Beiträge Romano Guardinis zum intellektuellen Dialog seiner Zeit sind seine Gedanken über die Macht. “Macht ist Fähigkeit, Realität zu bewegen”, schreibt Guardini 1952. Ganz allgemein ist Macht also eine Kraft, die etwas bewirken kann; eine Tat-kraft. Zur Macht gehört aber nicht nur Kraft, sondern auch ein Wille, eine Absicht. “Ein Wille, der Ziele setzt”, so schreibt Guardini, “ein Vermögen, welches die Kräfte auf [bewusste] Ziele hin in Bewegung bringt” (Die Macht, 102). Im Alltag assoziieren wir Macht meist mit Personen, die durch Einfluss, Geld oder hohe Ämter mächtig sind. Befragen wir die Literatur, so stellen wir fest, dass alte Mythen und moderne Fiktion Macht durch Personen repräsentieren, die elementare oder gar zerstörerische Kräfte beherrschen können. Denken wir an den Göttervater Zeus: Er ist zweifelsohne eine Personifizierung der Macht, jemand, der die Blitze des Himmels in der Faust hält wie ein Krieger seine Waffe. Macht bedeutet die Fähigkeit, Realität zu bewegen; und je größer die bewegte Realität, desto größer die Macht.